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    Bodenrichtwerte Landwirtschaft: So lesen Sie sie richtig

    Was Bodenrichtwerte aussagen, wo Sie sie finden und wie sie Steuern, Hofübergabe und Kaufpreise beeinflussen – verständlich erklärt für Landwirte.

    Markus Jehle8 Min. Lesezeit

    Bei jeder Hofübergabe, jedem Verkauf, jeder Schenkung und jeder Beleihung taucht er auf: der Bodenrichtwert. Trotzdem verstehen die wenigsten Landwirte, wie er entsteht, wo er her kommt – und wo seine Grenzen liegen. Wer das ignoriert, zahlt zu viel Steuern, verkauft zu billig oder kauft zu teuer.

    Was ist ein Bodenrichtwert eigentlich?

    Der Bodenrichtwert ist ein durchschnittlicher Lagewert für den Boden einer Mehrheit von Grundstücken in einer abgegrenzten Zone (Richtwertzone). Er wird von den Gutachterausschüssen der Landkreise und kreisfreien Städte mindestens alle zwei Jahre auf Basis der tatsächlichen Kaufpreissammlung neu festgesetzt – nach § 196 BauGB.

    Wichtig: Der Bodenrichtwert ist kein Verkehrswert Ihres konkreten Grundstücks. Er ist ein statistischer Durchschnittswert einer Zone, der Grundlage für Wertermittlungen, Steuerbescheide und Beleihungen bildet.

    Welche Bodenrichtwerte gibt es in der Landwirtschaft?

    • Ackerland: Differenziert nach Bodenpunkten (Ertragsmesszahl/EMZ).
    • Grünland: Eigene Werte, oft deutlich niedriger als Ackerland.
    • Forst: Eigene Bewertungssystematik, häufig nach Holzart.
    • Hofstellen / Bauflächen im Außenbereich: Oft gesondert ausgewiesen, regional sehr unterschiedlich behandelt.

    Wo finden Sie die Bodenrichtwerte?

    Bundesweit zentral über das Geoportal BORIS-D (boris.bund.de). Die meisten Bundesländer haben zusätzlich eigene Portale (z. B. BORIS Bayern, BORIS BW, BORIS NRW), die kostenfrei und ohne Anmeldung Bodenrichtwerte für jede Zone abfragbar machen. Manche Landkreise verlangen für detaillierte Auskünfte (z. B. mit Bodenpunkten) eine geringe Gebühr.

    So lesen Sie eine Bodenrichtwertkarte richtig

    Eine typische Eintragung sieht so aus: 2,80 € / m² – LF Acker – 50 BP. Das bedeutet: 2,80 Euro pro Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche Acker bei 50 Bodenpunkten in dieser Zone. Hat Ihr konkretes Grundstück 65 Bodenpunkte, ist es überdurchschnittlich gut – Zuschlag rechnen. Hat es 40 Bodenpunkte, Abschlag. Wie Bodenpunkte und Ertragsmesszahl zusammenhängen und wie Sie daraus einen Eurowert je Hektar ableiten, zeigt Ertragsmesszahl & Bodenpunkte in Euro umrechnen.

    Die häufigsten Lesefehler

    • Bodenrichtwert mit Verkehrswert verwechseln – kann 30 % daneben liegen.
    • Bodenpunkte ignorieren – führt zu erheblichen Bewertungsfehlern.
    • Nutzungsart verwechseln (Acker vs. Grünland) – Faktor 2 bis 3 Unterschied.
    • Veralteten Stand verwenden – aktueller Stichtag immer prüfen.

    Bodenrichtwert und Steuern: Wo es richtig teuer wird

    Bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer bewertet das Finanzamt landwirtschaftliche Flächen nach dem Bewertungsgesetz – häufig auf Basis des Bodenrichtwerts. Wer hier nicht prüft, ob die Bewertung zu hoch ist, zahlt unnötig Tausende Euro Steuer. Mehr dazu in unserem Ratgeber Steuern bei der Betriebsübergabe.

    Auch bei der neuen Grundsteuer nach Bundesmodell oder Ländermodellen spielt der Bodenrichtwert eine zentrale Rolle. Falsch übernommene Werte landen direkt in einem zu hohen Grundsteuerbescheid.

    Bodenrichtwert beim Kauf, Verkauf und Pacht

    Beim Kauf gilt: Der Bodenrichtwert ist die Verhandlungs- Untergrenze, der reale Markt liegt häufig 20 bis 80 % darüber – besonders in Süd- und Westdeutschland. Beim Verkauf gilt er als Mindestmaßstab, den Sie nur in begründeten Ausnahmen unterschreiten sollten. Bei Pachtverträgen ist er als Plausibilisierungsanker nützlich – mehr dazu in unserem Artikel Pachtvertrag in der Landwirtschaft.

    Wann lohnt ein eigenes Verkehrswertgutachten?

    Faustregel: Sobald die Werte über 150.000 Euro liegen oder das Grundstück besondere Eigenschaften hat (Bauerwartungsland, Hofstelle, Sonderkulturen), lohnt ein Verkehrswertgutachten – die Kosten von 1.500 bis 4.000 Euro amortisieren sich oft mehrfach.

    Welche Bewertungsverfahren dabei zum Einsatz kommen und wie sich Vergleichswert, Ertragswert und Gutachten unterscheiden, erklärt der Beitrag Verkehrswert landwirtschaftlicher Flächen ermitteln.

    Fazit: Bodenrichtwert verstehen heißt Geld sparen

    Der Bodenrichtwert ist ein mächtiges Werkzeug – wenn Sie wissen, wie man ihn liest. Prüfen Sie vor jeder größeren Entscheidung (Übergabe, Verkauf, Steuerbescheid, Beleihung) den aktuellen Wert Ihrer Zone, vergleichen Sie ihn mit der Bodenqualität Ihres Grundstücks – und ziehen Sie bei Zweifeln einen unabhängigen Sachverständigen hinzu.

    Besonders relevant wird die Bewertung, wenn ein ganzer Betrieb den Besitzer wechselt. Den vollständigen Ablauf beschreibt Landwirtschaftlichen Betrieb kaufen.

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